Monjukli Depe
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Forschungsziele

Das Aufkommen früher dörflicher Lebensweisen in der Kopet Dag-Vorgebirgszone im südlichen Turkmenistan wurde traditionell als Vorgang der Diffusion von Ideen oder der Migration von Menschen aus dem Bereich des iranischen Hochlands erklärt. Zu dieser neuen Lebensweise gehören die Einführung der Landwirtschaft und Viehzucht, Sesshaftigkeit und Keramikherstellung im Neolithikum. Für das Äneolithikum wird in den Anfängen der Kupfer-basierten Metallherstellung und hochgebrannten Keramik zusammen mit zunehmender handwerklicher Spezialisierung ebenfalls ein Fremdeinfluss gesehen, der zudem sozioökonomische Ungleichheiten mit sich brachte.

Die einschneidenden neolithischen und äneolithischen Entwicklungen werden oft als "Innovationspakete" konzipiert, die als Ganzes von lokalen Bevölkerungen übernommen wurden. Mittlerweile hat sich jedoch der Diskurs, der sich um die Neolithisierung (u.a. Sesshaftwerdung) und Äneolithisierung (u.a. beginnende Metallherstellung) rankt, deutlich gewandelt. Es wird nicht mehr allein auf Modelle geographischer Ausbreitung von einer innovativen Ursprungsregion zurückgegriffen, vielmehr wird die Möglichkeit lokaler Entwicklungen bei Innovationen im technologischen und kulturellen Bereich berücksichtigt und erforscht. Dabei werden Auswirkungen von Innovationen auf die verschiedenen Sphären vergangener Lebenswelten untersucht.

Dass es in der Kopet-Dag Vorgebirgszone zu Neuerungen kam, ist unbestreitbar. Uns interessiert jedoch, wie dies exakt ablief. Statt eine unproblematische Übernahme der Keramik- oder Metallproduktion anzunehmen, wollen wir anhand von eingehenden Untersuchungen in Monjukli Depe herausfinden, ob solche Prozesse in allen Haushalten des Weilers in ähnlicher Weise aufgenommen wurden, oder ob Verzögerungen oder Beschleunigungen, Modifikationen von Neuerungen unterschiedlich stark ausgeprägt vorkamen.

Dabei konzeptualisieren wir Neuerungen nicht als entkulturalisierte, von instrumenteller Logik getriebene Technologien. Vielmehr verwenden wir den Begriff der Kulturtechnik, um die Einbettung des Technologischen im historisch spezifischen, kulturellen Bereich zu betonen. Damit greifen wir eine schon länger geführte Debatte der anglophonen Archäologie um "technological style" auf, in der WissenschaftlerInnen wie Bryan Pfaffenberger argumentieren, dass Technologie nicht allein Funktionalität beinhaltet, sondern vielmehr ein Modus des Handelns ist, der bestimmte Einstellungen zu bearbeiteten (und nicht bearbeiteten) Materialien voraussetzt, der von Kooperationskulturen geprägt ist und in dem mehr oder weniger starke Ritualisierungen eine Rolle spielen. Als Methode wird von dieser archäologischen Richtung seit langem die von André Leroi-Gourhan aufgebrachte "chaîne opératoire" Analyse verwendet.

Der Begriff Kulturtechnik greift diese Ideen auf, erweitert sie aber insofern, als wir darin nicht allein die lineare, kulturell überprägte Sequenz spezifischer Arbeitsschritte bei der Produktion einer Objektkategorie sehen. Kulturtechniken als analytisches Konzept vereinen drei wichtige Charakteristika:

Unser Ziel besteht zunächst einmal darin, solche Kulturtechniken in Monjukli Depe zu identifizieren, und sodann im diachronen und synchronen Vergleich den Wandel derselben, aber auch die Variabilität in synchroner Ebene zu betrachten.

Zusätzlich zu diesen übergeordneten Zielen streben wir eine Reihe von spezifischeren, kleinmaßstäblichen Forschungszielen an, über die wir zwangsläufig stolpern, wenn wir übergeordnete, abstrakte Fragen stellen. Diese Ziele beinhalten

  1. das Erstellen einer hochauflösenden Chronologie für das Neolithikum und frühe Äneolithikum in der Kopet Dag-Vorgebirgszone, basierend auf Radiokarbondaten aus gesicherten stratifizierten Kontexten;
  2. eine systematische Sammlung und Analyse der Daten aus tierischen und pflanzlichen Überresten, um die Praktiken der Subsistenz, ihr Wandel im Lauf der Zeit und, so weit wie möglich, synchrone Variationen innerhalb des Ortes Monjukli Depe;
  3. eine Untersuchung der antiken Umwelt, besonders in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser; und
  4. das Bergen von Artefakten, wie beispielsweise Keramik, geschlagene und anderweitig bearbeitete Steinwerkzeuge, Produktionsabfälle usw., aus gut dokumentierten Kontexten. Damit wollen wir bestimmen, ob und inwiefern es sozioökonomische Unterschiede zwischen den damaligen BewohnerInnen aus Monjukli Depe in Bezug auf die von ihnen produzierten und benutzten Objekte gab.

 

Vorbei ziehende Tierherde hinter unserer Jurte Monduntergang über dem Kopet Dag Gebirge

 

Literatur

Kontakt

Reinhard Bernbeck (rbernbec@zedat.fu-berlin.de)
Susan Pollock (spollock@zedat.fu-berlin.de)

Institut für Vorderasiatische Archäologie
Hüttenweg 7 , 14195 Berlin