Monjukli Depe
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Architektur und Siedlungsplan

Nach O.K. Berdiev (1972) kann man in Monjukli Depes oberster Schicht drei Haustypen ausmachen. Die neueren Grabungen reduzieren jedoch die Vielfalt auf einen einzigen Haustyp, der gelegentlich An- und Umbauten aufweisen kann. In den obersten Schichten konnten wir die schon von Berdiev ergrabene Straße wiederfinden, ebenso wie viele er in seinem Plan publizierten Mauern. Doch hatte Berdiev die einzelnen Phasen, die ein Haus durchläuft, alle auf einem einzigen Plan zusammengezeichnet. Sorgfältige Untersuchungen der Architektur seit 2010 haben jedoch immer wieder einen Grundtyp von Haus ergeben. Ein solches Standard-Haus ist quadratisch, mit einer Seitenlänge zwischen 4 und 5 m.

 

Siedlungsplan mit Raumnummern der Häuser. Stand 2012

 

Es ist intern in zwei Hälften aufgeteilt, wobei meist der Boden der westlichen Hälfte etwas höher gelegt ist als der der östlichen. Die Stufe geringfügiger Höhe wird auf beiden Seiten von Pfeilern eingerahmt, die aus dem Mauerwerk in den Innenraum hineinragen. Anhand dieser immer aus Ziegeln gemauerten Pfeiler lassen sich zwei Gebäude-Subtypen unterscheiden. Einerseits können die Pfeiler in der Aufsicht rechteckig sein, mit einer Größe von ca. 3 x 2 Ziegeln; auf der anderen Seite fanden wir etliche Häuser mit im Aufriss T-förmigen Pfeilern. Im Jahre 2013 konnte in einem Haus an einem Pfeiler sogar Wandmalerei festgestellt werden.

 

Haus mit T-Pfeilern in Unit Db1

 

Im östlichen, tiefer liegenden Bereich scheint meist die Tür zum Gebäude zu liegen, die nach einem besonders gut erhaltenen Bau nur knapp 60cm hoch war, so dass man in diese Gebäude nur hineinkriechen konnte. Im östlichen, tiefer liegenden Bereich konnten wir mehrfach eine Reihe an Installationen identifizieren, die von halbrunden Ziegelsetzungen für Behälter über unterschiedlich große Lehmbänke bis hin zu komplexen Zweikammeröfen reichen. Es scheint mithin so zu sein, dass örtlich festgelegte, weil an Installationen gebundene Aktivitäten auf die Hälfte des Hauses beschränkt waren, wo auch der Eingang lag. Hingegen war der "hintere" Teil dieser quadratischen Häuser nach Ausweis der Funde freier benutzbar. Es fällt auf, dass in zwei Fällen auf dem hochgelegten West-Teil Spinnwirtel gefunden wurden, ebenso wie Reibsteine, die zum Mahlen von Ocker verwendet worden waren. Man führte also wohl Tätigkeiten auch in den "hinteren" Teilen des Hauses durch, diese waren jedoch nicht an spezifische Stellen im Raum durch fest installierte Bänke, Öfen, Behälter oder ähnliches gebunden.

Schwer erklärlich sind die in mehreren Häusern in dichter Streuung gefundenen, faustgroßen Steine auf den Fußböden. Diese Steine, deren Anzahl in die Dutzende geht, weisen meist Schmauchspuren auf, was auf ihre Funktion als Kochsteine hindeutet. In diesem Falle würde man jedoch eine Konzentration etwa nahe eines Ofens oder an einem spezifischen Ort der Nahrungsmittelzubereitung erwarten, nicht aber die weite Streuung quer durch das ganze Gebäude. Neben der Alltagsfunktion "Kochen" erwogen wir auch die Möglichkeit eines Auflassungsrituals, was jedoch ebenfalls keine wirklich befriedigende Erklärung abgibt.

Berdiev hatte nicht nur Architektur und Haustypen beschrieben, sondern zudem "Anau IA"-zeitliche Siedlungspläne anhand der Befunde in Monjukli und Çakmakli Depe als durch eine Straße zweigeteilt charakterisiert. Bei unseren Nachforschungen konnten wir den von Berdiev identifizierten Weg durch den Ort problemlos wiederfinden. Jedoch schneidet er die Siedlung nicht in zwei Teile, sondern endet abrupt in der östlichen Ortshälfte, wo er zunächst, in der Mitte mit einer Reihe Steinen gepflastert, bergauf geht und dann an einem mit einem großen, aufrecht stehenden Kalkstein markierten Tor endet. Dieses Tor hatte eine einflügelige Tür, was der an der anderen Türwange befindliche Türangelstein anzeigt. Rund um das Tor lagen sowohl im Straßenbereich westlich des Tors als auch im eingegrenzten Bereich östlich mehrere weitere Türangelsteine, die verdeutlichen, dass der östlich der Straße gelegene Dorfbereich abschließbar sein sollte. Leider ist dieser abgeschlossene Bereich sehr schlecht erhalten, weil hier große Zerstörungen durch den 1959 angelegten Tiefschnitt zu verzeichnen sind. Wir wissen bislang nicht, ob hier eventuell ein Tor in einer späten Schicht angelegt worden war, welches Außen und Innen voneinander trennte, oder ob das Tor einen internen Platz im Osten des Dorfes abschloss.

Direkt südlich des Torbereichs befand sich jedoch in der nächst-älteren Schicht ein offener Bereich mit massiven Asche-Akkumulationen, in denen neben zahlreichen Tierknochen auch "tokens", Tierfigurinen, gebrannte und ungebrannte Keramik zutage trat. Nach Auswertung der faunalen Reste dürfte es sich dabei um einen Platz gehandelt haben, auf dem Schlachtabfälle von Festen abgelagert worden waren.

Feuerinstallationen

Im äneolithischen Monjukli Depe ist ein intensiver Umgang mit Feuer zu verzeichnen. Dies ist einerseits aus den zahlreichen Aschekontexten ersichtlich und anderseits in der hohen Anzahl und Varianz der Feuerinstallationen.

Die Feuerinstallationen der äneolithischen Schichten variieren von einfachen Feuerstellen bis hin zu Herden und Öfen. Brennöfen, beispielsweise für die Herstellung von Keramik, konnten bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ausgemacht werden, dürften aber nach Ausweis der archäometrischen Untersuchungen an der Keramik vorhanden gewesen sein (Daszkiewicz in Pollock, Bernbeck et al. 2012). In Monjukli Depe wurden bisher mehrere Zweikammeröfen (Breite c. 1,5m) ausgegraben. Diese kommen sowohl in Außenbereichen am Ortsrand, als auch in Häusern vor. Eine andere Ofenart sind große ovale Einkammeröfen (Durchmesser bis zu 2m), in denen teilweise sehr hohe Temperaturen geherrscht haben müssen. Dies lässt sich anhand der gelbgrünen Farbe der lehmverputzten Innenwände der Installationen ausmachen. Zudem konnten einige Sonderkonstruktionen, wie beispielsweise ein Kamin und ein kleiner runder Herd auf einem quadratischen Ziegelsockel ausgegraben werden. Leider wurden viele der Feuerinstallationen nach der letzten Nutzung gereinigt, sodass es Aufgabe der Mikroarchäologie ist, zu klären, welchen Aktivitäten die jeweiligen Feuerinstallationen zuzuordnen sind.

 

Äneolithscher DoppelkammerofenOvaler Einkammerofen

Kamin im Inneren eines HausesQuadratischer Herd auf einem Sockel

 

In den neolithischen Schichten finden sich an verschiedenen Stellen einfache Feuerstellen unregelmäßiger Form, die eine durchschnittliche Größe von einem halben Meter im Durchmesser aufweisen. Sie sind nur wenige Zentimeter tiefe, mit Asche gefüllte Kuhlen und kommen meist in Außenbereichen vor.

Beim derzeitigen Wissensstand nehmen wir an, dass die Pyrotechnik im Äneolithikum intensiver, vielfältiger und komplexer war als im Neolithikum. Da zwischen den beiden Perioden am Monjukli Depe ein Hiatus besteht, können nur zwei voneinander getrennte Stadien, nicht aber die kontinuierliche Entwicklung der Pyrotechnologie untersucht werden.